Über ein zweites Leben
Das zweite Leben. Das geschenkte Leben. Das Leben, das nichts mehr braucht ausser der Kunst. Tracey Emin: A Second Life, Tate Modern, London, und Louisiana, Humlebæk.
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Meister unseres Geschickes
Lange Jahre unseres Lebens haben, haben, haben wir das Gefühl, Meister unseres Geschickes zu sein. Unser Leben in der Hand zu halten. Das Leben, all' die Welten, die sich auftun, die Wunder, die Abgründe und Ausblicke, die Begegnungen und Verluste, die Hoffnungen, Anstrengungen, Befriedigungen, all' das Rennen und Wollen und Brauchen und Festhalten, das Holen und Durchdringen und Halten, das Riskieren, Anhäufen und Suchen, das Rauchen und Schniefen und Schaffen und Klotzen und Saufen um die Besinnung zu verlieren und wieder zu sich kommen zu können, dieses ganze Vögeln und Klammern und Lechzen, das Fortpflanzen und Täuschen sich Enttäuschen sich Zerstören, das Lernen und das ewige Versuchen zu lieben, dieses ganze Wollen und Raffen und Fressen, Verletzen und Bluten und Kotzen und Lachen und Heulen Rotz und Wasser Heulen weil die Welt zu klein ist und zu schlecht für das Leben und weil sie sich dem Leben nicht fügen will und dem, was das Leben uns schuldet.
Das Leben meistern, wie man so schön sagt, die Unwägbarkeiten sich unterwerfen mit Geld und Macht und Gewalt (leiser und lauter) und wo sie sich nicht unterwerfen lassen überzutreten zum Glauben, der nichts anderes ist als Unterwerfung des Lebens mit unlauteren Mitteln, einfach die ganze Scheisse mit Blattgold übertünchen aber das tut man nicht.
Dann läufst du der grosse Meister deines Geschickes plötzlich vor ein Auto, übersiehst den Zug. Plötzlich entgleisen Zellen und fangen an zu wuchern an den unmöglichsten Stellen. Das Herz wird von seiner verfetteten Krone erdrückt, das Blut gerinnt irgendwo im Schenkel und die Kugel schiesst im Hirn Synapsen auseinander oder in der Lunge einen Flügel ab.
Du bist noch nicht alt, ein knappes oder ein gutes halbes Jahrhundert, das ist nichts, es gibt Leute, die werden fast hundert, und plötzlich,