A second life – Ein zweites Leben Tracey Emin: A Second Life, Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk
Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, Dänemark, 8. Oktober 2026 bis 18. April 2027. Gesehen in der Tate Modern, London, am 18. Mai 2026.
This letter in English
Lange Jahre unseres Lebens haben, haben, haben wir das Gefühl, Meister unseres Geschickes zu sein. Unser Leben in der Hand zu halten. Das Leben, all' die Welten, die sich auftun, die Wunder, die Abgründe und Ausblicke, die Begegnungen und Verluste, die Hoffnungen, Anstrengungen, Befriedigungen, all' das Rennen und Wollen und Brauchen und Festhalten, das Holen und Durchdringen und Halten, das Riskieren, Anhäufen und Suchen, das Rauchen und Schniefen und Schaffen und Klotzen und Saufen um die Besinnung zu verlieren und wieder zu sich kommen zu können, dieses ganze Vögeln und Klammern und Lechzen, das Fortpflanzen und Täuschen sich Enttäuschen sich Zerstören, das Lernen und das ewige Versuchen zu lieben, dieses ganze Wollen und Raffen und Fressen, Verletzen und Bluten und Kotzen und Lachen und Heulen Rotz und Wasser Heulen weil die Welt zu klein ist und zu schlecht für das Leben und weil sie sich dem Leben nicht fügen will und dem, was das Leben uns schuldet.
Das Leben meistern, wie man so schön sagt, die Unwägbarkeiten sich unterwerfen mit Geld und Macht und Gewalt (leiser und lauter) und wo sie sich nicht unterwerfen lassen überzutreten zum Glauben, der nichts anderes ist als Unterwerfung des Lebens mit unlauteren Mitteln, einfach die ganze Scheisse mit Blattgold übertünchen aber das tut man nicht.
Dann läufst du der grosse Meister deines Geschickes plötzlich vor ein Auto, übersiehst den Zug. Plötzlich entgleisen Zellen und fangen an zu wuchern an den unmöglichsten Stellen. Das Herz wird von seiner verfetteten Krone erdrückt, das Blut gerinnt irgendwo im Schenkel und die Kugel schiesst im Hirn Synapsen auseinander oder in der Lunge einen Flügel ab.
Du bist noch nicht alt, ein knappes oder ein gutes halbes Jahrhundert, das ist nichts, es gibt Leute, die werden fast hundert, und plötzlich, plötzlich, mit einem Moment bricht alles zusammen und auseinander, plötzlich realisierst du, falls falls falls dir die Gnade des Bewusstseins zuteil wird in jenem Moment, dass du kein Meister bist über das Leben noch je einer warst, sondern nur ein Wurm an einem Faden, ein zappelnder nackter Fisch am Haken, und der Grill glüht schon mal. Und falls falls falls dir jetzt im Augenblick deines ersten Todes Klarheit geschenkt ist und vor allem dir vollständige Vernichtung erspart bleibt, was unwahrscheinlich unwahrscheinlich ist, wenn also das Auto nur ein paar Organe quetscht und die Wirbelsäule bricht aber nicht das Genick, wenn der Zug dich streift und eine Hälfte übrig lässt am Leben, wenn die wuchernden Zellen sich gemeinsam herausschälen lassen aus deinem Innersten, dem Photonenbeschuss sich ergeben und sich der chemischen Vergiftung beugen, wenn das Herz durch Starkstrom von übermenschlicher Gewalt sich zurückholen lässt ins Leben und seine Krone zurechtgerückt durch Implantate wieder Blut passieren lässt, wer weiss für wie lange noch Stunden Tage Wochen ein paar Jahre, wenn also dieses Glück, dieser potenzierte Zufall, dieses Unwahrscheinlichste eintritt und du, das hat alles nichts mit dir oder deinem Verdienst oder gar Wünschen etwas zu tun, wenn du also jetzt noch etwas etwas etwas Zeit geschenkt bekommst, dann, ja, dann hast du eine Chance auf ein zweites Leben. Ein zweites Leben.
Tracey Emin in der Tate Modern, London
Es war das erste Mal, dass ich in einer Kunstausstellung1 geweint habe. Vor dem Ensemble von vier Bildern mit Wasserfarbe und Tinte auf Papier mit Medizinfläschchen und Klinikarmband und einem Brief, brach die Frau, die neben mir stand und gleichzeitig mit mir die Zeilen las, in Tränen aus: Meine Abtreibung2. Die Frau war so etwas wie ein Medium zwischen diesem Brief und mir, es waren ihre Tränen, die meine fliessen liessen: Mai 1990 / Als ich im Aufwachraum zu mir kam / weinte ich und hatte Schmerzen / Ich konnte nicht glauben, was ich getan hatte, ich / hatte das Ding getötet, das ich am meisten lieben könnte / „Vergib mir, winziges kleines Ding / Deine Seele ist frei / Vergib mir - verlass mich (...) Es waren Zwillinge gewesen. Nur einer war abgetrieben worden. Der zweite Fötus schlüpfte ein paar Tage später in einem Londoner Taxi aus Tracey und sie hielt den Toten zwischen Hand und Schenkel. Es ist schwer, das auszuhalten als Besucher, wie es schwer ist, durch all' die oft selbstzerstörerischen Geschichten zu taumeln, die einem Bild für Bild Video für Video Brief für Brief Text für Text schwere Schläge zufügen. Sex, Vergewaltigung, Drogen, Blut und Verlassenwerden. In den Neunzigerjahren wurde Tracey Emins Kunst als confessional art bezeichnet oder beschimpft und als Exhibitionismus3, aber das sind bloss Etiketten, mit denen Leute glauben, ein Universum in einem Wort einschliessen und in ihr Regal stellen zu können.
Eine atemlose Suche ist sichtbar, durch all' ihre Bilder und Installationen aus ihrem ersten Leben: Das berühmte, fast schon Emblem einer Zeit und der Young British Art gewordene Bett4, Its not me Thats / Crying / Its my Soul5, ihre beschriebenen Wandbehänge Mit 13 warum zum Teufel sollte ich irgendwem vertrauen / Auf keinen verdammten Fall. Nein / Ich habe Nein gesagt6, die blutroten und totschwarzen Geschlechtsakte, das aus dem zweiten Leben ins erste hinübergemalte nichtendenwollende Kopulieren You Keep Fucking Me You Keep Fucking ME You KEEP FUCKING ME You KEEP FUCKING ME (...)7, und das ist auch nicht weiter schockierend oder provokant oder eine Beichte oder so, das ist einfach die Tortur des ganz normalen Lebens, unser endloser, sinnloser, unbefriedbarer Hunger nach Angefasstwerden nach Liebe und ihren Derivaten, nach ekstatischer Besinnungslosigkeit. Ich habe das Gefühl, endlich nach Hause gekommen zu sein. Atme auf und bin dankbar für ihre schonungslose Öffnung, denn was ist Kunst anderes als: Öffnung? zeige deine Wunde hat Joseph Beuys eine Rauminstallation im Münchener Kunstforum8 betitelt, ja, hier ist für mich wohl der Schlüssel, der mir dieses Heimkommen jetzt ermöglicht und die Tür zu meiner eigenen Behausung aufschliesst. Zeige deine Wunde, weil man die Krankheit offenbaren muß, die man heilen will.9
Taumeln
Ja, taumeln ist das richtige Wort für meine Fortbewegungsart durch diese Ausstellung, durch dieses Zuhause, in dem jeder Winkel mir vertraut vorkommt, vertraut, zwar mit einem anderen Gesicht und vielleicht einem anderen Geschlecht, aber das bin ich. Allerdings scheine ich nicht der einzige zu sein, der taumelt. Auch die Schritte der anderen Besucher sind unsicher, sie drehen sich ungelenk zu Nähereien voller Worte ... sie nahm ihre liebste Art-déco-Vase rannte durchs Zimmer - und schlug sie mir über den Kopf - und schrie ich muss weg von dir - (...)10, klammern sich an den riesigen Wandbehang In der Türkei sagen wir wenn du eine Rose lieben lernst lernst du die Dornen lieben11 stolpern, und und stammeln dann Unzusammenhängendes vor den weit geöffneten Frauenschenkeln, die das buschige Geschlecht darbieten, aber warum warum warum You made me Feel like nothing12?, und erst jetzt begreife ich, dass dieses Taumeln das Traceys ist, die mir einfach diese ganze Himmelundhölle ihres ersten Lebens, die ganzen Schreie, Lacher, Spritzer, Tränen, Stöhnereien, Verluste und Misshandlungen mit all' ihrer Kraft weitergibt weiterreicht, durchsteckt sozusagen.
Der Wandel
Dann wandelt sich etwas. Das Schlimmste ist zu sehen. Blut, Wunden, triefende Tupfer, Schnitte, blutige Brustwarzen, die sich als frische Öffnungen entpuppen, Ausstülpungen. Ein Selbstportrait mit zwei Säcken an ihrem Bauch13, kleine Bilder mit unzähligen Schläuchen im Arm und blutigen Handtüchern auf dem Boden. Plattenepithelkarzinom der Harnblase: Diagnose im ersten COVID-Lockdown im Frühjahr 2020, Prognose ohne Eingriff: keine sechs Monate mehr. Im Juli 2020: siebeneinhalbstündige Operation durch ein zwölfköpfiges Chirurgenteam. April 2021: der Krebs besiegt, sie kann mit erheblichen Behinderungen weiterleben.14
A Second Life
Das zweite Leben. Das geschenkte Leben. Das Leben, das nichts mehr braucht ausser der Kunst. Der ganze Druck, die ganzen Hoffnungen und Ausblicke, das ganze Wollen und Raffen und Fressen, Verletzen und Bluten und Kotzen und Lachen und Heulen Rotz und Wasser Heulen weil die Welt sich dem Leben nicht fügen will, sind verflogen, wurden operativ entfernt, mit Starkstrom ausgetrieben und mit Protonenstrahlen zerbombt. Jetzt bist du nur froh heilfroh überhaupt noch am Leben zu sein und begreifst, dass es da gar nichts zu wollen gibt oder zu fordern und dass die Welt sich gar nichts zu fügen hat und schon gar nicht deinem kleinen unbedeutenden Dasein, und dass du nur dankbar sein kannst für diesen neuen geschenkten nicht geschuldeten Gott bewahre! nur geschenkten fast nur geliehenen Moment und dafür, dass der vorbeirauschende Zug dir noch die eine Hälfte gelassen hat für ein zweites Leben nach dem ersten.
Die Umrisse einer stehenden nackten Frau, ein Bild von einer nie gesehenen Ehrlich- und Klarheit. Das Gesicht verwischt, weil das Erinnern kein Gesicht braucht und keine Suche sondern den klaren Blick nach innen ins Innere den Blick auf die Dinge, die immer auf uns warten für die wir aber noch noch noch nicht bereit sind und nie bereit waren und nie bereit sein werden bis wir dann bereit sind wenn wenn wenn falls der Tag je kommt. Ich habe nichts Falsches getan15, immer noch aber das schlechte Gewissen. Die tote, nackte, rote Tracey auf einem Tisch, daneben stehend die schwarze Figur, den Kopf leicht zur anderen geneigt. Ich sah mir beim Sterben zu und beim Zurückkommen ins Leben16. Jetzt kann sie ihr erstes Leben betrachten, dieses ganze Streben und Suchen und Leiden und Hoffen, das sie war, noch ist, und auch nicht mehr, denn sie ist jetzt auch die zweite, die schauen kann, zurück aber auch vorwärts und hoffen, dass er sich weiter klärt ihr Blick.
Bis zum Ende
Schwarze Frauenfigur vor blutrotem Hintergrund, ihr Unterkörper löst sich auf in Worte, die zu einem weiten Rock fallen Ihr habt mich so gemacht Ihr alle - Ihr - / Ihr Männer die ich so wahnsinnig geliebt habe so sehr / Ihr seid es die mich so AL-LEIN fühlen liessen / Ihr alle - jeder von euch auf seine eigene Weise / Ich - ich - ich war schuld dass ich euch weiter liebte / Wie eine Närrin folgte ich der Liebe - bis zum Ende / Wie die traurige heimgesuchte Seele die ich bin / ICH BIN EUCH GEFOLGT bis / ZUM ENDE Das ist wahr ja wahr natürlich aber wahr ist auch dass diese ganzen Männer nur in ihr existieren, diese ganzen Frauen nur in mir. Und dass sie nicht falsch damit lag, sie zu lieben. Die Dummheit unseres ersten Lebens ist ja nicht, dass wir der Liebe bis zum Ende folgen, sondern dass wir uns vormachen, unser Klammern und Schreien und Schlagen und Vögeln hätte mit Liebe etwas zu tun oder irgendwelche anderen Leute trügen irgendeine Verantwortung für unsere Liebe oder wären sie sogar. Ich bin dir bis zum Ende gefolgt17 Mensch Mädchen bleib doch zu Haus! Die ganze Einsamkeit, die uns in den Kopulierszenen des ersten Lebens entgegenspringt You Keep Fucking Me You Keep Fucking ME You KEEP FUCKING ME You KEEP FUCKING ME (...) hat ja mit Liebe nichts zu tun vielmehr mit hoffnungsloser todtrauriger Masturbation, und diese ganze Trostlosig- und Einsamkeit wird jetzt endlich sichtbar und Tracey kann uns endlich erlösen aus dem Gefängnis ihres und vor allem aus dem Gefängnis unseres ersten Lebens. Mir eine Chance geben, über den Abgrund des Todes hinweg zu begreifen, dass nicht die anderen uns zu dem machen was wir sind einsam und verlassen und verängstigt, sondern dass es unsere unsere eigene Blindheit diese jahre- jahrzehnte- lebenslange Blindheit ist, die uns den Blick auf uns selbst verbietet und nur den Anderen sieht und den Anderen unsere Gefühle Hoffnungen Bedürfnisse anhängt und aufbürdet ihn missbraucht als unser Alter Ego dabei ist der Andere ein Anderer und genauso verloren wie wir wie wir wie wir alle wie wir selbst.
Blindheit. Ich hatte es auf den ersten Blick gar nicht gesehen: die über dem Männerkopf kauernde nackte Frau hat, ja, das hatte ich wohl gesehen, die Hand an ihrem Geschlecht, bietet es irgendwie dar oder masturbiert, oder beides. Aber erst sehr viel später, als ich mir zu Hause die Photographien ansah, entdeckte ich, dass ihr Gesicht mit einem Tuch verdeckt oder verschleiert war oder ist. I Will Not Be Alone18, solange ich mir einen runterholen kann. Sex, der nichts mit dem Gegenüber oder hier besser dem darunter, nichts mit der Welt zu tun hat, zitternd sich blind mit sich selbst beschäftigt und sich selbst genug ist, der Andere wird nur benötigt, ist aber vollkommen irrelevant. Der Männerkopf zwischen ihren Beinen, so habe ich später in einem Text ihrer Galerie White Cube19 gelesen, sei übrigens ein Fels. Was nichts ändert an meiner Verstörung, im Gegenteil, Haare, Ohren und vor allem die lange Nase dieses leckenden Mannes scheinen mir nur noch deutlicher hervorzutreten. Über der überlebensgrossen Bronze Neonschrift: Meet me in Heaven / I will wait For You20.
Auferstehen
The Bridge21, eine Brücke ein Tisch ein Katafalk ein Bett, eine durchsichtige unsichtbare oder nur in Kopf, Schultern, einem Knie erahnbare weibliche Figur, ein Geist, eine ätherische Essenz erhebt sich von einem weissen Laken. Tracey hat sich reingemalt in dieses Bild, das zuerst nur eine Brücke werden sollte, ihr Körper darin war aber falsch, ein Fehlgriff, eine Art Irrtum, und sie hat sich wieder rausgemalt mit weisser Acrylfarbe, der Körper aber ist geblieben oder wiedergekommen22 und hat sich erhoben von dem Laken, ein Erwachen oder Aufwachen oder ein Wiedererwachen, ein Wiederauferstehen, ein sich von den Toten erheben ein Zurückkehren wollen unter die Lebenden.
Kontemplation, Wiedergeburt. Neue, grosse, trauernde, tief schwingende Bilder, die mich aufatmen lassen. Endlich kann ich stehenbleiben, innehalten. Die Schläge haben sich beruhigt, das Taumeln hat sich gelegt, der Schmerz hat nachgelassen und ist zu etwas Grossem Grösserem Grandiosem geworden: Die Kreuzigung23. Himmel, Hintergrund, die fast lebensgrosse gekreuzigte Figur ganz in Schwarz, die langen Arme diagonal über die Leinwand. Der Himmel war einmal blau das sieht man noch aber das hat jetzt keine Bedeutung mehr die Schwärze erzählt alles alles und ich stehe davor und wieder fliessen die Tränen jetzt ganz ohne Medium ohne Schmerz ohne Religion nicht einmal Trauer ist notwendig nur eine selten gesehene Schönheit im Tod ein Tanz des Unbewussten im letzten Atemzug.
Freiheit
Mit dem Tod so klar im Blick kommt Freiheit. Nichts ist mehr zu verlieren, alles zu gewinnen, jeder Tag, jede Stunde, die wir bei Bewusstsein sind ist jetzt geschenkt. War immer schon geschenkt (nicht geschuldet, bei Gott, nicht geschuldet, obwohl wir das bislang immer so empfunden hatten!), geschenkt, aber das haben wir bislang nicht gesehen, so kurzsichtig waren wir und haben alles darangetan, es zu zerstören zu saufen zu rauchen rumzuhuren uns zu verletzen zu zerstören. Also müssen wir jetzt da wir das alles realisieren tun, was wir können. Meine Arbeit hat dieses ganze neue Leben übernommen, diese Freiheit. Ich male die ganze Zeit.24 Natürlich. Und jetzt fällt auch die Angst ab. Die Gefallsucht. Die Geilheit. Die Gier. Das Wollen. Der Wille. Was können wir schon wollen, wenn wir die Kleider abzulegen haben für das Totenbett? Was bleibt ist die Freiheit. Ich muss einen riesigen Sack von Pisse die meiste Zeit mit mir rumtragen. Aber seltsam, ich war nie glücklicher.25 Wenn wir malen schreiben arbeiten performen lieben komponieren haben wir unser ganzes Leben lang in jedem Moment um Freiheit zu kämpfen. Aber erst jetzt, im zweiten Leben, wenn all' unsere Kämpfe Ideen Suchen, unser Streben Wollen Zeigen Kommen Ichsein IchimZentrumsein abgefallen sind wie die tote Haut einer Schlange wie das Verpuppungsgeflecht wie die zerschlagene Gussform realisieren wir, dass der wirkliche Kampf um die wirkliche Freiheit in Wirklichkeit nur ein einziger ist. Die Befreiung von uns selbst.
Irgendwie stolpere ich weiter heilfroh um dieses zweite Leben, das sie mir geschenkt hat meine Güte wie knapp ist das alles wie scharf scharren wir die ganze Zeit an der Auslöschung vorbei einen halben Meter nicht mehr ist der Tod ständig entfernt. Draussen ist London die Autos dauernd von der falschen Seite und ich realisier das nicht weil Das zweite Leben mich noch fest im Griff hat und die tausend Gedanken dazu.
Denkst Du das auch immer wieder, wenn Du im Zug oder im Auto oder im Flugzeug oder wo sitzt: jenseits dieses Fensters ist der Tod. Da ist er ja auch. Was hab ich für ein Glück, noch auf dieser Seite zu sitzen und lesen zu können und Fotos zu machen und ein bisschen was aufzuschreiben.
Note
- Tracey Emin: A Second Life, Tate Modern, London, 27. Februar bis 31. August 2026; vom 8. Oktober 2026 bis 18. April 2027 im Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk.
- My Abortion, 1990. Aquarell und Tusche auf Papier, Medikamentenfläschchen, Patientenarmband und weitere Materialien. Privatsammlung, mit freundlicher Genehmigung von White Cube. Der Brief im Original: May 1990 / When I came round in the recovery room / I was crying and in Pain / I couldnt believe what I had done, I / had killed the thing whitch I could love most / "Forgive me tiny little thing / Your Soul is Free / Forgive me - leave me (...)
- "confessional work": Press Association, guardian.co.uk, 3. Juni 1999; "Exhibitionismus einer ungehemmten Lebensbeichte": taz, 23. September 1997. Emin selbst im Katalog Tracey Emin: A Second Life (Tate Publishing, 2026), S. 51: "Back in the 90s, people used to say it was confessional art. It wasn't."
- My Bed, 1998. Kastenrahmen, Matratze, Bettwäsche, Kissen und verschiedene Gegenstände. Tate. Leihgabe der Duerckheim Collection, 2015.
- Its Not me Thats Crying its my Soul, 2011. Neon. Mit freundlicher Genehmigung von Tracey Emin. Deutsch: Nicht ich weine, es ist meine Seele.
- No chance (WHAT A YEAR), 1999. Decke mit Applikationen. Privatsammlung. Im Original: AT THE AGE OF 13 WHY THE HELL SHOULD I TRUST ANYONE / NO FUCKING WAY. NO / I SAID NO
- You Keep Fucking me, 2024. Acryl auf Leinwand. Privatsammlung, c/o Xavier Hufkens.
- 1974/75; erstmals gezeigt im Februar 1976 im Kunstforum in der Unterführung Maximilianstrasse, München; seit 1979/80 im Lenbachhaus.
- Joseph Beuys in seinem Interview mit Jost Herbig, "Die Dinge haben ihre Sprache", Süddeutsche Zeitung, 26. / 27. Januar 1980; zitiert nach Wikipedia, "Zeige deine Wunde".
- Hotel International, 1993. Decke mit Applikationen. Privatsammlung, mit freundlicher Genehmigung von White Cube. Der Text auf einem Flicken. Im Original: ...SHE PICKED UP HER FAVORITE ART DECO VARSE RAN ACROSS THE ROOM - AND SMASHED IT ACROSS MY HEAD - SCREAMING IVE got TO GET AWAY FROM YOU - (...)
- Mad Tracey from Margate. Everyone’s been there, 1997. Decke mit Applikationen. Privatsammlung, London. Im Original: IN TURKEY WE SAY WHEN YOU LEARN TO LOVE A ROSE YOU LEARN TO LOVE THE THOWNS
- Just Like Nothing, 2009. Bestickte Baumwolle. Privatsammlung Nikolaus & Martina Hensel.
- Self-portraits, 2020 bis 2025. Fotografien, digitale C-Prints auf Papier. Mit freundlicher Genehmigung von Tracey Emin.
- Diagnose, Prognose und Operation erzählt Emin im Gespräch mit Marc-Christoph Wagner, Louisiana Channel, gefilmt im Juli 2026, ab Minute 46:18. Die Entwarnung im April 2021: The Art Newspaper, 9. April 2021.
- I Did Nothing Wrong, 2024. Acryl auf Leinwand. Mark Couling.
- I watched Myself die and come alive, 2023. Acryl auf Leinwand. National Gallery of Australia, Canberra. Ankauf 2024.
- I Followed you to the end, 2024. Acryl auf Leinwand. Yale Center for British Art. Ankauf mit Mitteln der George Economou Collection. Die Worte auf dem Bild im Original: You Made me Like this ALL OF You - You - / You men That I so Insanely Loved so much / You Are The ones That Made Me Feel So AL-ONE / ALL of You - Each of You In your own individual way / I - I - I was At Fault to Keep Loving you / Like a Fool I Followed Love - to The end / Like The Sad haunted Soul That I am / I FOLLOWED YOU to / THE END
- I Will Not Be Alone, 2025. Bronze. Mit freundlicher Genehmigung von Tracey Emin.
- Der Text von White Cube zu I Will Not Be Alone: Art Basel Paris, Public Program 2026.
- Meet Me In Heaven I Will Wait For You, 2004. Neon. Mit freundlicher Genehmigung von Tracey Emin.
- The Bridge, 2024. Acryl auf Leinwand. Allemann Collection.
- Nach Emins eigener Schilderung im Gespräch mit Marc-Christoph Wagner, Louisiana Channel, gefilmt im Juli 2026, Minute 36:34 bis 37:58.
- The Crucifixion, 2022. Acryl auf Leinwand. Mit freundlicher Genehmigung von Tracey Emin.
- Tracey Emin beim Hay Festival 2023, zitiert nach BBC, 2. Juni 2023. Im Original: My work has taken on this whole new life, this freedom. I'm painting all the time.
- Tracey Emin im Gespräch mit Laura Allsop, "50 Questions With Tracey Emin", AnOther Magazine, 8. Juni 2023. Im Original: I have to carry a giant bag of piss around with me most of the time. But strangely enough, I have never been happier.