DORT.
Patrizia Barbuiani für Nando Snozzi
Der Künstler Nando Snozzi ist am 19. August 2026 gestorben. Das kulturelle Leben des Tessins ist ärmer geworden: wir haben einen grossen Freund, Kollegen, Alliierten, Beschützer, wir haben einen wunderbaren Menschen verloren.
Patrizia Barbuiani hat ihm geschrieben.
DORT.
von Patrizia Barbuiani
Die Nachricht kommt.
Das Hirn setzt aus.
Alles steht still, in der Schwebe aufgehängt wie ein Leintuch, mit Wäscheklammern aus Ungläubigkeit. Kein Windhauch, der es bewegt.
Keine Reaktion. Stille. Zeit streicht leicht vorüber und schlägt einen zeitlosen Rhythmus.
Und noch bevor die Gefühle Zeit haben, herauszubrechen, kommt da ein Lachen vorbei, leise, fein, wahrhaftig. Ein Gedanke bahnt sich im selben Augenblick seinen Weg, und bevor ich ihn aufhalten kann, wird er Wort: Er hat uns grandios hereingelegt! Er ist abgetreten, in seiner Körperlichkeit, mit seinem Sarkasmus, seinem ganzen Kampfgeist, als Grandseigneur! Als der Zauberer, der er immer war: Eben war er noch da, jetzt ist er weg. Keine halben Sachen!
Nando Snozzi ist ein Künstler, und als solcher wird er uns bleiben, ein Leuchtturm, der den Nebel zerreisst und bereit ist, auch den Nachfolgenden den Weg in den sicheren Hafen zu weisen.
Er hat unseren Weg erleuchtet, wie es nur wenige können, grosszügig, aufmerksam, schelmisch.
Jede Schöpfung steht in der Schuld derer, die uns vorangegangen sind, die den Weg mit sicherem Schritt vorgezeichnet haben und dich jetzt einladen, ihnen zu folgen. Irgendwann tritt dann der wahre Meister zur Seite und zeigt dir das Unendliche, das dich erwartet. So war er, fürsorglich, schamanisch, gütig.
Es gibt Menschen, die du seit jeher kennst, auch wenn du ihre Bekanntschaft noch nicht gemacht hast.
Dann die Begegnung: Der Funke der Komplizenschaft, des Lachens, eines tiefen Verstehens in den Diskussionen wie im tiefen Schweigen springt über. Zusammenzuarbeiten ist ein unglaubliches Abenteuer, man versteht sich ohne Worte, die Energie der Kreativität fliesst, und alles wird Materie, wie seine riesigen Bilder, seine dichten Texte, die Musik, die er liebt und die ihn inspiriert.
Er hinterlässt keine Leere, er hinterlässt eine überbordende Fülle von Projekten, Ideen, Gedanken, ganz so, wie er war, unermüdlicher Krieger, bewaffnet mit scharf geschliffenen Worten und Pinseln, die vor Hunger nach menschlicher Gerechtigkeit triefen.
Eine unendliche Freude, dich gekannt zu haben, eine unendliche Freude, dich weiter kennenzulernen, in einem Dialog, der nicht innehält, nur weil absurde irdische Gesetze ihm Grenzen setzen.
Die Kunst reicht weit darüber hinaus, und DORT begegnen wir uns!
Patrizia Barbuiani
Übersetzt aus dem Italienischen. Das italienische Original findest Du hier: LÌ.