Signora · Öl auf Leinwand · 150 × 160 cm · 2013

Christine Zohner

Malerin · München · Lugano

Christine Zohner malt, um dem Unsagbaren ein Gesicht zu geben. In einem Werk von fast sechshundert Gemälden, entstanden über Jahrzehnte und lange fern der Öffentlichkeit, werden Not und Grauen ins Bild gehoben und in Schönheit verwandelt. Ihr Maß dafür ist die innere Wahrheit: „so stimmt es, so ist es, so war es.“

Geboren 1939 in Leipzig, bei Ausbruch des Krieges, als zweite von drei Töchtern des Arztes Dr. Franz Hedke und seiner Frau Gertrud, gehört sie zur Generation der Kriegskinder: 1943 nach Ausbombung die Übersiedlung von Leipzig nach Schlesien, 1944 der Tod des Vaters in Hamburg, 1945 die Flucht im Winter nach Bayern. Kindheit und Jugend in Ingolstadt. Das Kind malt unablässig, mit Kreide auf Straßen, Wege und Zäune; die Klosterschwestern der Gnadenthal-Schule fördern die Begabung nach Kräften, und als Schülerin füllt sie ein ganzes Stockwerk mit einer eigenen Ausstellung. Obwohl ihre Lehrerinnen sie zum Studium an der Münchner Kunstakademie drängen, entscheidet sie sich für die Medizin, den Beruf des früh verlorenen Vaters.

Es folgt ein Leben als Ärztin: Studium der Medizin in München, Fachärztin für psychotherapeutische Medizin, Ausbildung zur Psychoanalytikerin, die eigene Praxis. Heirat mit dem Kunsthistoriker Siegfried Zohner, zwei Söhne, der frühe Tod des Mannes. Jahrzehntelang gilt ihre Aufmerksamkeit den inneren Bildern anderer Menschen; in der psychiatrischen Klinik, in der sie mehrere Jahre als Oberärztin tätig ist, lässt sie ihre Patienten malen und töpfern und führt sie in Ausstellungen.

1995 kehrt die Malerei mit Macht zurück. Der Auslöser ist ein Traum: vor den Richterstuhl Gottes gestellt und zur Höllenfahrt verurteilt, erhält sie als Begründung für das Urteil den Satz: „Es sind die ungemalten Bilder.“ Dieser Traum bleibt ein Schlüssel in ihrem Leben und für ihre künstlerische Arbeit. Sie lernt eine Leinwand zu bespannen, besucht eine Malschule in München und studiert vier, fünf Sommer lang bei dem venezolanischen Maler Jacobo Borges an der Salzburger Sommerakademie, später bei Jo Bukowski und Jerry Zeniuk. Borges macht ihr die eigene Ordnung des Bildes bewusst, das Senkrechte und Waagrechte, und beschränkt sie auf zwei Farben. Es entstehen große, starke Bilder: die Kreuzserie, der Flucht-Zyklus und schließlich, gemalt in großer eigener Todesnähe, die Pietà.

Das Werk, das seither entstanden ist, denkt in Serien und scheut kein Format: die collagierten Blue Series (1999), die beiden Totentanz-Serien (2009), die eine in Schwarz-Weiß, die andere in Rot und Schwarz, die Tuschblätter der Reihen Lines und Writing (2008 bis 2015), die Black Pictures (2010), Bildwände von bis zu fast drei Metern Breite, daneben Gilgamesch (2015) und zahlreiche unbetitelte Arbeiten in Öl und Acryl. Als Ganzes gelesen beschreibt es einen Bogen: am Anfang ein fröhliches, leichtes, lichtes Treiben; dann der Einschlag des Krieges, Ängste, Dunkelheit, Verzweiflung, Tod; der wiederkehrende Totentanz; die Auflösung aller Formen in Staub; am Ende Sprachlosigkeit und ein paar Schriftzeichen, die in ihrem So-Sein ihre eigene Schönheit haben.

2018 und 2019 wurde das Gesamtwerk gemeinsam mit ihrem Sohn, dem Theatermacher Markus Zohner, vermessen, geordnet, katalogisiert und fotografiert. Daraus entstand in Zusammenarbeit mit dem Grafiker Edy Ceppi ein Buch ohne Worte: Christine Zohner, Painter, erschienen am 25. Januar 2020 in einer limitierten Auflage von 400 numerierten Exemplaren. Für die Kuratierung des Buches und das Layout wurden die Bilder demokratisch behandelt: jedes hatte das gleiche Gewicht, unabhängig von Größe oder Chronologie: Die Sequenzen ergaben sich einzig aus inneren Geschichten und seelischen Dramaturgien; auf jeden Kommentar wurde verzichtet, weil sich beim Ordnen zeigte, dass jedes Wort zu viel wäre.

Hinter ihrem Werk steht eine Überzeugung, die Christine Zohner in ihrer Arbeit als Ärztin und dann als Malerin gewonnen hat: Das Leben ist eine Wunde, und Heilung geschieht dort, wo man den Mut und die Kraft aufbringt, hinzusehen. Malen heißt für sie, der Not ein Bild und damit eine Würde zu geben, es wahr werden zu lassen und damit abgeben zu können; und es heißt, „dass auch diese gnadenlos schrecklichen Gefühle in eine Schönheit gewandelt werden können.“ Sie hält daran fest, „dass das Größte und Wichtigste im Leben die Liebe ist.“ Was bleibt, nennt sie die Spuren der Liebe: „Die Bilder werden mich überleben, ein wenig zumindest.“

Ausstellungen in Deutschland und der Schweiz. Christine Zohner lebt und arbeitet in Lugano.

Werke

Alle Bilder sind käuflich erhältlich. Bei Interesse an einem Werk nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.

Untitled2008
Untitled1996
Writing 62009
Totentanz 2 / II2009
Totentanz 3 / IV2009
Blue Series 31999
Untitled2004
Untitled2011
Black Pictures2010
Gilgamesch2015
Blue Series1999
Lines2015

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